Die Weißenhofsiedlung in Stuttgart: Ein Meilenstein der Moderne
Die Stuttgarter Weißenhofsiedlung prägt seit 1927 die moderne Architektur. Erfahren Sie, warum sie als revolutionär gilt, welche Baukünstler sie schufen und warum sie heute ein UNESCO-Welterbe-Kandidat ist.

Die Weißenhofsiedlung in Stuttgart ist ein Meilenstein der modernen Architektur und ein Paradebeispiel des Neuen Bauens. Errichtet im Jahr 1927 im Rahmen der Ausstellung "Die Wohnung" des Deutschen Werkbunds, zeigt sie, wie visionär und progressiv Architekten wie Le Corbusier, Ludwig Mies van der Rohe oder Walter Gropius gedacht haben. Diese Siedlung gilt als Manifest der damaligen architektonischen Avantgarde und ist bis heute ein wichtiges Zeugnis der Moderne.
Die Entstehung der Weißenhofsiedlung
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts forderte die Industrialisierung ein Umdenken in der Architektur. Günstige und funktionale Wohnräume sollten schnell entstehen, um den Bedarf der wachsenden Städte zu decken. Der Deutsche Werkbund, ein Zusammenschluss von Künstlern, Architekten und Handwerkern, rief zur Ausstellung "Die Wohnung" in Stuttgart auf. Unter der Leitung des Architekten Ludwig Mies van der Rohe entstand die Weißenhofsiedlung auf einem Hügel nahe der Innenstadt.
Die Architekten und ihre Visionen
Die 21 Gebäude der Siedlung wurden von 17 renommierten Architekten gestaltet, darunter internationale Größen wie Le Corbusier, Walter Gropius, Peter Behrens und Hans Scharoun. Ziel war es, kostengünstige, funktionale und moderne Wohnformen zu entwickeln. Die Weißenhofsiedlung verkörpert die Prinzipien der damals revolutionären Bauhaus-Bewegung: minimalistische Formensprache, Flachdächer, weiße Fassaden und der Verzicht auf Ornamentik. Gleichzeitig erprobten die Architekten neue Materialien wie Stahlbeton, um effiziente und flexible Wohnlösungen zu realisieren.
Le Corbusier und sein Beitrag zur Moderne
Ein herausragender Beitrag zur Weißenhofsiedlung stammt von Le Corbusier, der mit seinen Häusern die Essenz der modernen Architektur einfing. Sein Konzept "Das Haus als Maschine zum Wohnen" stellte den Menschen und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt. Der offene Grundriss, große Fensterflächen und die Dachterrassen revolutionierten das Verständnis von Wohnkomfort. Seine Gebäude gelten heute als Ikonen der Architekturgeschichte und sind Teil des UNESCO-Welterbes.
Die Zerstörung und Restaurierung
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Weißenhofsiedlung stark beschädigt, viele Gebäude waren zerstört oder unbewohnbar. In den folgenden Jahrzehnten erkannten Denkmalpfleger jedoch die historische Bedeutung der Siedlung. Ab den 1980er Jahren wurden umfangreiche Restaurierungsmaßnahmen eingeleitet, um die Gebäude in ihren Originalzustand zurückzuführen. Heute präsentiert sich die Weißenhofsiedlung als Freilichtmuseum und ist ein Anziehungspunkt für Architekturliebhaber aus aller Welt.
Die Weißenhofsiedlung heute
Heutzutage ist die Weißenhofsiedlung ein lebendiges Denkmal der Moderne und steht beispielhaft für den Fortschrittsgeist der 1920er Jahre. Die Gebäude können teilweise besichtigt werden, insbesondere das Doppelhaus von Le Corbusier, das als Museum dient. Hier erfahren Besucher alles über die Ideen und Visionen der Architekten sowie die Herausforderungen ihrer Zeit.
Darüber hinaus steht die Siedlung als Kandidat für das UNESCO-Weltkulturerbe, was ihren Stellenwert als weltweite Architektur-Ikone unterstreicht. Die harmonische Verbindung von Funktionalität, Ästhetik und sozialem Wohnungsbau macht sie zu einem einzigartigen Beispiel der Baukunst.
Fazit: Ein Must-See für Architekturfans
Wer Stuttgart besucht, sollte die Weißenhofsiedlung nicht verpassen. Als bahnbrechendes Beispiel für moderne Architektur und historisches Erbe des 20. Jahrhunderts bietet sie faszinierende Einblicke in eine Zeit des architektonischen Aufbruchs. Ob als Museum, Wohnraum oder Inspiration – die Weißenhofsiedlung ist und bleibt ein Meilenstein der Baugeschichte.